Fotoserie Trainingsmethoden für Golfspieler mit Sehbehinderungen

Spieler:
Bernd Walsch
Caddie:
Gregor Dieng
Fotograf:
Jan-Philipp Burmann
Ort:
Außenaufnahmen:
Golfclub Kallin bei Berlin
Innenaufnahmen:
SCS Sportclub Siemensstadt, Berlin
 
Hohmann Golf Sport, Berlin

Einleitung

In dieser Fotoserie beschreiben wir spezielle Trainingshilfen und geben Tipps und Tricks zum sicheren Spiel. Der hochgradig sehbehinderte Spieler Bernd Walsch aus Berlin spielt in der Blindenkategorie b2 und trainiert mit einem speziellen Turniercaddie. In der Saison 2011 war das Gregor Dieng aus Berlin. Die Außenaufnahmen wurden auf dem Gelände des Golfclubs Kallin bei Berlin erstellt. Hier trainiert Herr Walsch überwiegend auf einem sehr engen 9-Loch-Platz, den er schon seit 1993 kennt. Die Innenaufnahmen entstanden im Sportclub Siemensstadt in Berlin. Hier werden die muskulären Voraussetzungen geschaffen. Weitere Innenaufnahmen zeigen den Golfsimulator von Hohmann Golf Sport in Berlin. Die Sportaufnahmen wurden von dem jungen Sportfotografen Jan-Philipp Burmann aus Berlin erstellt; er hat auch diese Seite gestaltet.

Allgemein

Es hat sich bewährt, die körperlichen Voraussetzungen für einen guten Schwung besonders zu trainieren. Blinde und hochgradig Sehbehinderte (BHS) neigen viel mehr zur „Instabilität“, weil ihnen die Orientierung im Raum fehlt. Besuche im Sportstudio und Gymnastik sind für den Turniersport zwingende Voraussetzungen. Sicheres Golf zu spielen muss unser Ziel sein; also eher vorlegen, als aus einer schwierigen Lage spielen zu müssen.

Schlagtraining Drivingrange

Ein gelber Stab unter dem Ball gibt dem Restsehler Orientierung über die Schwungbahn und dem Caddie hilft es beim Erkennen von Fehlern. Rechtshändig spielende BHS neigen besonders dazu, den Schwung zu früh nach links zu ziehen, weil uns die Orientierung zum Ziel fehlt. Dem Caddie hilft der Stab dabei zu erkennen, wenn die Schwungebene zu früh nach links verlassen wird.
Der Caddie beschreibt dem Spieler die Flugbahn. Dadurch ist eine Eigenkorrektur durch den Spieler vor dem nächsten Schlag möglich.

Pitchen, chippen

Entfernungstraining bis 40 m

Ein 40 m langes Seil dient zur Orientierung beim Schlag zum Ziel und hilft dem BHS zum Ausgangspunkt zurück zu finden, wenn er allein trainiert.
Wir haben alle 10 m Abstände markiert mit einer Fahne.
Der Caddie sagt dem Spieler die tatsächlich geschlagene Länge carry an und der Spieler korrigiert seinen Schwung so lange, bis die Längen passen. Gespielt wird von jeder Fahnenposition. Das schult gleichzeitig auch den Caddie bezüglich der Einschätzung der Entfernungen von 10 bis 40 m für später auf dem Platz.
Wer diese Längen blind beherrscht, hat die Voraussetzungen für ein gutes Spiel rund ums Grün.

Putten

Es empfiehlt sich einen Stab oder Schläger aufs Ziel auszurichten, wenn man alleine übt; im Turnier sagt der Caddie besser die Schlägerkopfausrichtung an, z.B.:„mehr links, noch ein wenig, stimmt“. Man sollte im Training Tees an die Ausgangsstelle stecken und immer von dort putten, bis die Länge sicher ist.
Anfänglich suchen wir eine gerade Stelle und putten 10 m; danach erst 5 m und später trainieren wir die Zwischenabmessungen.
Im Turnier läuft der Spieler die Spiellinie mit seinem Caddie vorher ab, damit er ein Gefühl für die Entfernung, aber, noch viel wichtiger, für die Steigung oder das Gefälle der Spiellinie, erhält. Hier liegt eines unserer Hauptprobleme, die Schlagkraft richtig zu dosieren.
Der Caddie darf beim Turnier auf dem Grün in der Puttlinie bleiben – Sonderregel.

Abschlag auf dem Platz

Die Ausrichtung beim Abschlag erfolgt durch den Caddie anhand des Oberkörpers. Eventuell einen Stab hinlegen oder den Schläger vorm Körper halten – aber wieder wegnehmen vorm Schlag im Turnier. So wenig Richtungskorrektur wie möglich durch den Caddie; z.B.: „mehr links, etwas zurück, passt“.
Der Caddie muss vor dem Abschlag aus der Spiellinie – hier gibt es keine Sonderregel.

Schlag ins Grün

Wir benutzen ein modernes Hilfsmittel wie einen Sky Caddie. Das Gerät gibt uns die Entfernung metergenau an. Der Caddie beschreibt danach die tatsächliche Länge des Schlages. Dadurch prägt sich der Spieler selbst während eines Turniers die Abhängigkeit von Schwung und Länge besser ein und, er kann das beim nächsten Schlag dieser Art selbst korrigieren.

Simulatortraining

Das ist die wichtigste Trainingsmethode für uns, weil alle Tatsachen unmissverständlich angezeigt werden (Schlägerkopföffnung, Schwungrichtung von außen oder innen, wie weit weg liegt der Ball von der Ideallinie, Flugbahn, Carry - und Rolllänge und vieles mehr). Ich kann mir die Daten vom Computer laut ansagen lassen.
Auf dem Bild sehen sie das Herrichten des Abschlags mit Klebeband und Stäben; ähnlich wie auf der Drivingrange.

Sportstudio

Es ist von Vorteil, eine starke Unterarmmuskulatur und die seitlichen Rumpfmuskeln aufzubauen. Das Laufen auf einem Laufband ist für BHS gewöhnungsbedürftig, aber es ist erlernbar und gibt die Kondition für die Platzrunden. Gymnastik kann man nicht genug machen – auch zum Aufwärmen vorm Spiel.

Generelle Hinweise für die Helfer, Begleiter und Caddies:

Der Caddie muss nach Möglichkeit im Ablauf immer alles gleich machen, z.B. das Bag immer genau an der Abschlagmarkierung abstellen, damit der Spieler weiß, wo die Linie zum Abschlag ist. Es empfiehlt sich, den Spieler ebenfalls immer auf der gleichen Seite zu führen. Er kann ein Eisen hinhalten oder den Putter. Damit führt uns der Caddie auch vom Grün.

Nicht zu viele Richtungskorrekturen vorm Abschlag ansagen; das nimmt sonst dem Spieler die Zuversicht auf einen guten Schlag.

Sofort nach dem Abschlag diskret die Flugbahn, die Weite und die voraussichtliche Lage des Balles beschreiben. Wichtig ist eine positive Beschreibung wie z.B.:“ liegt auf dem Fairway, liegt im Semirough, aber den finde ich, ich sehe ihn liegen“. Ebenfalls sollte der Caddie ansagen, welchen nächsten Schlag mit welchem Schläger zu spielen ist. Damit kann sich der Spieler besser auf die nächste Situation einstellen. Bei Sehenden läuft das im Unterbewusstsein ab. Beim Laufen auf dem Platz ist es besser für die Einschätzung des BHS, anzusagen, wie weit ist es noch bis zum Ball ist und in welcher Reihenfolge voraussichtlich gespielt wird. Damit gibt der Caddie dem Spieler die Möglichkeit, freie Zeiträume für sich zu nutzen (trinken, essen etc.), ohne die Konzentration zu unterbrechen bzw. die Mitspieler aufzuhalten.

Es ist ratsam, einen zuversichtlichen und selbstbewussten Caddie auszubilden, der dem Spieler das Gefühl vermittelt, alles im Griff zu haben und der auch die Diskussionen mit den Mitbewerbern führt (Regelsicherheit).

Der Caddie ist auch immer der Zähler im Turnier, aber der Spieler muss die Scorekarte unterschreiben als Zähler (das ist eine zwingende Regel – sonst droht die Disqualifikation)