Berichte
Deutsch Meisterschaft
Der Golfer mit Behinderungen 2009 im GC VarusWie in jedem Jahr hier mein Bericht über ein herausragendes sportliches Ereignis.
Dass ich schon in den Vorjahren in den Jubel ausgebrochen bin und den lieben Gott mit ins Boot gezogen habe, mit meinem Ausruf: „Der Liebe Gott muss ein Golfer sein“ und ein besonderer Freund der „Golfer mit Behinderungen“ mag man mit verzeihen.
Es ist aber so!
Das Wetter war einmalig, der hervorragend hergerichtete Platz des GC Varus durch das Greenkeeperteam um Herrn Müggenborg, machte richtig Lust auf ein Golfturnier mit dieser Bedeutung. Die Laune der Beteiligten war hervorragend. Der Deutsche Golfverband (DGV), als Ausrichter dieser Deutschen Meisterschaft, hatte zusätzliche Voraussetzungen für ein Spitzenturnier geschaffen. Das Turnier wurde technisch ausgerichtet durch das Scoringunternehmen C+V. Hier wurde professionelle Turnierausrichtung wie bei ganz großen Turnieren zelebriert. Frau Sarah Cornford, als Chefin des Scoringunternehmens, beherrschte souverän ihr Metier. Die Spielleitung lag wieder in den altgedienten Händen der Spielleiter des DGV die bereits seit mehr als 10 Jahren due Deutsche Meisterschaft der Golfer mit Behinderungen leiten. Herr Sven Hahnl vom DGV (Turnierdirektor) hatte zusätzlich zu den im Golfclub vorhandenen Golfcarts weitere 12 Carts angemietet und den Spielern mit Gehproblemen zur Verfügung gestellt. (Einziges DGV-Turnier bei dem Golfcarts ausdrücklich erlaubt sind) Somit waren alle äußeren Voraussetzungen wieder einmal „Spitze“. Was die Spielleitung mehr als freute, war die Tatsache, dass die Beteiligung um 27 % gestiegen war. Die Turnierkultur hatte sich im Laufe der Jahre in Deutschland herumgesprochen. Vielen Golfern ist es aber auch heute noch nicht bekannt, dass der DGV die Golfer mit einer Behinderung auch unter seinen Schirm gestellt hat und hier ein bemerkenswertes Turnier veranstaltet.
Zur Erinnerung für alle, die Zielgruppe dieses Turnierevents sind:
Angesprochen sind ALLE Golfer eines deutschen Golfclubs, die über einen Behindertenausweis mit 50 % und mehr verfügen. Welche Behinderung der einzelne Golfer hat, ist erst einmal uninteressant
Die Behindertengruppen waren in diesem Jahr:
Beinbehinderte, Armbehinderte, Blinde, Mentalbehinderte, Rollstuhlfahrer und das große Feld der Golfer mit sonstigen Behinderungen.
Es wird bis Handicap -18,4 Brutto gespielt, von -18,4 bis -53 nach Stableford. Interessierte melden sich beim DGV auf dessen Internetseite und melden sich an. Eine Kopie des Behindertenausweises > 50 % ist beizubringen.
Das war es schon.
Jetzt kann jeder Golfer unter gleichen Bedingungen spielen und hat die Möglichkeit, in seiner Gruppe zu Ehren zu gelangen. In diesem Jahr waren die Handicaps von -3,8 bis -53 vertreten.
Es wurden 21 Medaillen ausgespielt. Bei welchem Turnier der Spitzenklasse gibt es so etwas.
Wir rufen ALLE deutschen Golfer auf, MACHEN SIE MIT! Ein engagiertes, sportliches Ringen um den Titel des „Deutschen Meisters“ an den zwei Tagen verfolgten viele der anwesenden Spieler und Zuschauer. Bis zum letzten Loch blieb das Spiel spannend. Der Vorjahressieger, Michael Rech, Hcp -7,6 (Beinbehinderung) Gesamtschlagzahl: 165 musste seinen Titel abgeben an Matthias Becherer Hcp -4,0 (Gehörlos). Gesamtschlagzahl: 161 und damit Deutscher Meister 2009. Bei den Damen war das Ergebnis keine Überraschung. In gewohnter, souveränen Spielweise verteidigte Ursula Lindgens Hcp -10,0 (Beinbehinderung) Schlagzahl: 179 ihren Titel und nahm die Goldmedaille der Damen entgegen.
Die Wertigkeit dieses Golfturniers wurde dadurch unterstrichen, dass das Präsidium des DGV das Präsidiumsmitglied Erhard Wetterich schickte, die Siegerehrung vorzunehmen. Herr Wetterich, der sich einen umfassenden Eindruck von dem Turnier machte, zeigte sich stark beeindruckt von den sportlichen Leistungen und dem Gesamtflair des Events.
Was macht dieses Turnier so bemerkenswert?
Turniere gibt es doch in unendlicher Zahl. Die Fragen, die oft an mich gestellt werden lauten: Wie kann denn ein blinder Golf spielen? Wie kann denn ein Querschnittsgelähmter in einem Spezialgolfwagen überhaupt einen Schwung hinbekommen? Wie bleibt denn ein Beinamputierter überhaupt stehen wenn er schlägt? … und dann bei allen Fragen, wie können diese Golfer denn auch noch ein Handicap von z.B. -3 x bis -18 erspielen?
Ich setze noch einen drauf! Wie ist ein solches Handicap zu bewerten, wenn ich es mit einem Handicap Golfers ohne Behinderung vergleiche? Sehen Sie, dass sind Fragen, die sie beantwortet bekommen, wenn Sie sich mit dieser Materie beschäftigen.
Zum großen Glück habe ich die Möglichkeit, in diesem exzellenten Golfjournal darüber zu berichten. Ich danke den Herausgebern im Namen aller Golfer mit Behinderungen, dass sie uns den Raum geben, über Ereignisse um das „Golf mit Behinderungen) berichten zu dürfen. Das Lesen dieser Artikel hat schon diverse Golfer veranlasst, sich zu diesem Turnier anzumelden. Es wird bereits nach dieser Zeitschrift, Sauerland Golfjournal, z.B. in München nachgefragt, die diese Artikel und damit die ganze Zeitschrift mit Spannung verfolgen.
Ich berichtete vor Jahren einmal darüber, welche hoch interessante Antwort ich von einem Beinamputierten Spieler erhielt, als ich ihn fragte, warum er fast immer kerzengerade spiele, kein Slice, kein Hook. Antwort (Originalton): „Wenn ich einen Slice oder Hook spiele, liege ich auf der Schnauze“. (besseres Deutsch: „dann verliere ich das Gewicht und falle hin“.) Gleich wie es gesagt wird, kein Trainer wird dem widersprechen. Ich habe es ausprobiert und auch nur „auf einem Bein“ gestanden, und siehe da, ich habe einen geraden Schlag produziert. (Dieses ist eine abgekürzte Erläuterung, die Trainer mögen mit das nachsehen und ihre Opposition zügeln).
Trotzdem – kommen Sie alle zu diesen Turnieren, schauen sie zu. Antworten bekommen sie durch das „Sehen“ für viele Golfschlagprobleme, die als „Golfer ohne Behinderung“ haben.
Wenn ein Blinder einen 10 Meter Putt mit einem Schlag einlocht, warum brauche ich dann einen Dreiputt? Solche und ähnliche Fragen werden beantwortet.
Resümee: Von den Golfern mit Behinderung kann man eine Menge Golfhonig saugen. Bloß keine Hemmungen haben mit dem Wort Behinderung.
Ich bin jetzt ein Ketzer wenn ich sage: Ein Brillenträger und das sind mehr als 50 % unserer Bevölkerung, hat auch eine Behinderung, denn ohne Brille läuft er vor den nächsten Briefkasten. Er hat nur keinen Ausweis für Behinderungen mit mehr als 50 %. Also hier nochmals mein/unser Aufruf! Machen Sie mit bei der Aktion „Größer 50“.
Wenn ich Sie neugierig gemacht habe, rufen Sie die Redaktion oder mich an oder direkt den Deutschen Golfverband.
Ich stelle nun zum Schluss eine Frage, die in nicht allzu weiter Zukunft beantwortet wird.
Haben Sie als Clubgolfer mit einem Behindertenausweis > 50 %, der Sie aber nicht Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft für Golfer mit Behinderung sind, die Möglichkeit an den Olympischen Spielen der nächsten Olympiaden teilzunehmen?
Klare Antwort: NEIN!
Weitaus mehr Chancen haben Sie aber, wenn die Paralympischen Spiele auch Golf ins olympische Programm mit aufgenommen werden. Dann könnten Sie teilnehmen und mit Glück, auch eine Medaille ernten. Die Bestrebungen, Golf olympisch und paralympisch zu machen, sind schon weit fortgeschritten.
Jetzt noch eine Version, bei der sich die Nebel lichten. Gestatten Sie mir zu zitieren: „Alle großen Taten haben einen belächelnswerten Anfang“ und für die, die es nicht abwarten können: „Gras wächst nicht schneller wenn man dran zieht.“.
Der DGV ist aber bemüht durch den „Dünger“, den jeder deutsche Golfspieler der das Anforderungsprofil erfüllt, durch seine Teilnahme, darstellt.
Ihr Elmar Vedovelli
DGV Spielleiter
Retina Aktuell- Ausgabe 113 September 2009
Sport (Ra) Als Ergänzung zu unserem Schwerpunktthema „Sport“ erhielten wir folgende Mitteilung: Blinde und hochgradig Sehbehinderte spielen Golf im Deutschen Blindengolf Verband – kurz DBGV. Wer als Golfspieler durch Sehbehinderung oder Blindheit trotzdem seinem Hobby nachgehen will, kann bei uns lernen und erleben, wie es geht. Bitte informieren Sie sich auf unserer Webseite http://www.blindengolf. de/index.shtml über die Einzelheiten. Kontaktaufnahme ist auch über die Webseite möglich.
Schnuppertag
Bericht über einen Schnuppernachmittag für 3 blinde Golfinteressierte im GC LilienthalAm vergangenen Sonntag, 30. August, hatten wir einen sehr schönen Schnuppernachmittag für drei blinde Golfinteressierte hier auf dem Lilienthaler Golfplatz.
Es handelte sich um zwei Herren und eine Dame, davon einer der Herren aus Lilienthal. Carola Majewski, die Spielführerin des GCL, und Rudi Prössel, der dortige Trainer, empfingen die drei Schnupperer und ihre Begleiterinnen sehr herzlich im Clubraum und erklärten bei Kaffee und Kuchen die Grundbegriffe des Golfsportes und die Besonderheiten des Lilienthaler Golfclubs. Ich begrüßte die Besucher im Namen des Blindengolfverbandes und ging kurz auf seine Aktivitäten und Ziele ein.
Es kam eine lebhafte Fragerunde zustande, wobei auch schon ein Golfball herumging und manch Vorurteil gleich zu Beginn beseitigt und manche Ängste genommen werden konnten.
Nach einem heftigen Regenguss konnten wir glücklicherweise bei aufgeklartem Himmel auf die Drivingrange gehen, wo Karola Majewski und Rudi Prössel sich den einzelnen Golfschnupperern sehr intensiv widmeten. Schläger- und Körperhaltung und das Einputten wurde erklärt, gezeigt und ausführlich ausprobiert. Die drei Neulinge waren sehr konzentriert und hatten, wie ihre Begleiterinnen und die beiden Clubvertreter sehr viel Spaß dabei.
Nach einer knappen Stunde versammelte man sich wieder um den runden Tisch im Clubraum und zog Fazit. Alle drei Probegolfer waren begeistert. Sie hatten jeweils vor ihrer Erblindung keine Golferfahrung, hatten bestenfalls mal einen Minigolfschläger in der Hand gehabt. Ein Fazit war eindeutig: "Wäre ich in Rente, ich wäre dabei!"
Alle drei Schnupperer bedankten sich begeistert beim Blindengolfverband für die Einladung und meinten, dass sie es sich jetzt sehr viel besser vorstellen könnten, dass Golf für Blinde und hochgradig Sehbehinderte ein toller Sport und eine sehr gesunde und entspannende Freizeitbeschäftigung sein könne und dass sie darüber in Blinden- und Sehbehindertenkreisen darüber positiv berichten würden.
Die ganze Veranstaltung war ein echter Erfolg für alle, denn auch die beiden Clubvertreter scheinen am Thema Blindengolf und an der Situation blinder Menschen überhaupt nochmals mehr Interesse und Neugierde bekommen zu haben.
Es ist geplant, mit Interessierten des GCL z.B. einen Schnuppernachmittag zum Thema Blindheit zu veranstalten, an dem u.a. unter der Augenbinde Würstchen gegessen werden sollen und eine kleine Runde ums Clubhaus unter der Augenbinde gegangen werden soll, letzteres natürlich mit sehender Begleitung.
Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Eindruck von diesem wirklich beeindruckenden Nachmittag vermitteln, der übrigens gut zweieinhalb Stunden gedauert hat.
Alle drei Teilnehmer sind noch voll im Berufsleben und aktiv in unterschiedlichen Selbsthilfegruppen des Blindenwesens und werden gewiss als Multiplikatoren die gute Sache Blindengolf weiterverbreiten.
Karin Segelken
Mitglied des DBGV
DM-Titel für Becherer und Lindgens
Vom 15. bis 16. August 2009 trafen sich die Golferinnen und Golfer mit Behinderung zur Deutschen Meisterschaft im GC Varus. Die deutschen Golferinnen und Golfer mit Behinderung trugen am 15. und 16. August ihre Deutschen Meisterschaften im GC Varus aus. Matthias Becherer vom GC Oberstdorf siegte in der offenen Bruttoklasse der Männer mit Runden von 84 und 77. Silber ging an Michael Resch vom GC Neckartal mit 85 und 80 Schlägen vor Andreas John (GC Brückhausen) mit 86 und 88 Zählern. In der weiblichen Konkurrenz setzte sich Titelverteidigerin Ursula Lindgens vom G&CC Seddinder See mit Runden 92 und 87 durch.
In der Kategorie „Bein“ gewann Michael Resch (GC Neckartal) vor Horst Beyer (GC Gutshof Papenburg) und Timo Uhlmann (GC Bad Saulgau). In der Kategorie der blinden Golferinnen und Golfer ging der erste Platz an Klaus Ahrens (GC Hamburg-Ahrensburg). Jens Maspfuhl (GC Friedberg) erspielte sich den Sieg bei den Rollstuhlfahrern vor Rainer Langmeyer (GR Bad Griesbach) und Christian Nachtwey (GC Rittergut Birkhof). Bei den Teilnehmern mit Armbehinderung konnte sich Volker Schröder (GC Gleidingen) durchsetzen, gefolgt von Karlheinz Labude (GC Wümme) und Michael Clemens (GolfRange Dortmund).Curt Reineck (GC Peine-Edemissen) sicherte sich den Sieg der Kategorie „Mental“ vor Kai Sehmer (GC Wolfsburg). Jan Brandenburg (GC Ravensburger Land) erkämpfte sich den Nettosieg der Kategorie „Sonstige“. In den zusammengefassten Klassen B, C, D und E erkämpfte sich Horst Beyer den ersten Netto-Rang vor Gerhard Czerwionka (GC Landshut) und Daniel Zaube (Römerhof).
GC Lilienthal am 30.Mai 2009
Vereinspokal des DBGVEs gewann der Vizepräsident Bernd Walsch.
Golfer mit besonderem Handicap
Der Blindengolfclub lässt nicht nur Beckenbauer staunenEs ist 9.00 Uhr morgens. Ich befinde mich auf einem gewöhnlichen Golfplatz in Stolpe am Rande von Berlin. "Kennst Du eigentlich den Blindengolferwitz?" fragt mich Stefan Lütte, während wir mit schweren Golfpacks beladen den steinigen Weg zur Driving Ranch entlanglaufen. "Da trifft ein Mann einen anderen und erfährt, dass dieser Golf spielt obwohl er blind ist. 'Stört das denn die anderen nicht?' fragt der Mann entsetzt. 'Aber nein' antwortet der blinde Golfer, wir spielen doch nachts!'" Stephan lacht laut und dröhnend und auch ich muss schmunzeln, während wir die grüne Fläche mit den vielen Abschlagplätzen erreichen. Ich gehe noch ein Stück weiter und wuchte mühsam die schwere Tasche auf den Boden. Stephan kommt nicht mit. Er ist stehen geblieben und wartet darauf, dass sein Caddie Lutz mit einem Eimer voller Bälle zurück kommt und ihn zu mir herüber führt. Alleine kann Stephan sich hier nicht bewegen; denn Stephan ist blind.
Die Bezeichnung blinder Golfer klingt bereits in sich nach einem Widerspruch: Man kann nichts sehen und schlägt dennoch den kleinen weißen Ball viele Meter weit durch die Luft, um das winzige Loch am Ende einer langen Stecke zu treffen. Doch so unvorstellbar das auch sein mag: Es gibt eine ganze Menge blinder Menschen, die genau dies Woche für Woche tun. Stephan ist einer von ihnen und hat sich erst kürzlich ganz offiziell in dem ersten Deutschen Blindengolfverein eingetragen. "Man kann durch die Blindheit weder lesen noch Fernsehen schauen", erklärt der Präsident des Vereins Gerhart Starck. "Das Golfen gibt einem ein Stück Lebensfreude und auch Lebensqualität zurück."
2002 gründete der selbst erblindete, leidenschaftliche Golfspieler den Deutschen Blindengolfverein. Weltweit existieren unter anderem in Japan, England und den USA neun nationale Blindengolfclubs, die in internationalen Turnieren gegeneinander antreten. So haben im Rahmen einer Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr insgesamt 52 Teilnehmer aus neun Nationen um den Titel gekämpft. Viele der blinden Golfer betreiben ihren Sport noch gar nicht lange. "Etwa die Hälfte der Mitglieder unseres Vereins haben bereits vor ihrer Erkrankung Golf gespielt. Der andere Teil hat die Sportart erst blind gelernt", erklärt Gerhart Starck. Stephan spielt schon lange Golf. Grade kommt er, unauffällig an Lutz' Arm gestützt, auf mich zu. "Und - fit für ein ordentliches Aufwärmtraining vor der großen Runde?", fragt er mich und grinst dabei frech. Mit seiner Sonnenbrille und dem Roten Cappy wirkt er wie alle anderen Golfer auf der Driving Ranch. Niemand würde vermuten, dass er in Wirklichkeit nichts sehen kann. Doch warum übt ein Blinder ausgerechnet diese Sportart aus? "Golf ist die einzige Ballsportart, die ein Sehbehinderter spielen kann, weil der Ball ruht und der Sportler somit nur agieren und nicht reagieren muss", erläutert der Vereinspräsident Gerhart Starck. Eine plausible Erklärung. Doch ich bin noch immer kritisch. Muss man nicht trotzdem erkennen können, wohin man den Ball schließlich schlägt? Gespannt beobachte ich Stephan und Lutz, die sich nun gemeinsam auf den ersten Übungsschlag vorbereiten. Lutz beschreibt Stephan das Gelände und dann diskutieren die beiden angeregt über Schläger und Technik des ersten Versuchs. Der Caddie ist für den blinden Golfer essentiell. Er informiert ihn über die Beschaffenheit des Platzes, gibt konkrete Meterangaben und beschreibt mögliche Neigungen sowie die Lage des Balles. "Das ist wie Synchron - Wasserspringen - das geht nur gemeinsam und man muss unheimlich eingespielt sein" betont Stephan. Daher begleitet stets die gleiche Person den Golfer.
Stephan und Lutz haben sich auf eine Technik geeinigt und nach ein paar trockenen Probeschwüngen reicht der Caddie Stephan vorsichtig den Golfschläger. Stephan bleibt still stehen und wartet, bis sein Freund das Schlägerblatt entsprechend der Balllage ausgerichtet hat. Dann stellt er sich hinter dem Schläger in Position, während Lutz ihn leise korrigiert. Der Abschlag von Stephan ist sauber und routiniert. Der Ball fliegt in hohem Bogen über die Driving Ranch und landet schließlich irgendwo da draußen, nahe der 110 Meter Fahne. Lutz steht direkt bei seinem Freund und beschreibt mir ganz genau die Flugbahn meines Balls: Sehr hoch, etwas weit links, direkt über dem Fairway und solche Sachen. Und wenn ich einmal richtig verschlage, dann muss mein Caddie die anderen Spieler entsprechend der Golfregeln durch den Ausruf 'fort!' warnen. Dann weiß auch ich sofort, dass mein Ball nicht so gut geschlagen war!" Er grinst. Die Regeln für blinde Golfer unterscheiden sich kaum von den allgemeingültigen Richtlinien dieser Sportart. Nur ist es den blinden Spielern erlaubt, den Schläger in einem Sandloch abzusetzen und den Caddie während des Abschlages hinter sich zu platzieren.
Die Reaktion der anderen Spieler auf dem Platz ist unterschiedlich. Anfangs sind viele betroffen und wissen nicht so recht, wie sie mit dem blinden Spieler umgehen sollen. Aber schon nach kurzer Zeit siegt die Neugier. "Man zeigt diesen Leuten, wie gut man mit einer solchen Behinderung umgehen kann", sagt Stephan und fügt verschmitzt hinzu: "Da ist man dann schon ein bisschen stolz drauf!"
Auch Franz Beckenbauer staunte nicht schlecht, als er 2001 den Sonderpreis bei der Wahl "Golfer des Jahres" an Ivars Weide überreichte. Der ehemalige Eishockey - Nationalspieler aus Unna lernte erst nach seiner Erblindung Golf zu spielen. Heute gehört er in seiner Kategorie zu den besten Dreien in Europa und ist zudem Europameister der behinderten Golfer. "Einfach nicht vorstellbar, wie dieser Mann so hervorragend Golfen kann", begeistert sich Franz Beckenbauer, der selbst ein leidenschaftlicher Golfspieler ist.
Während ich Stephan und Lutz weiter bei ihrem Training beobachte, wird mir klar, dass auch für den Blinden Golfer das Auge entscheidend ist. Nur ist es eben nicht sein eigenes! Die Informationen, die der Spieler über die Augen seines Begleiters erhält, formen sich in seinem Kopf zu einem Bild und übertragen sich auf den Schläger. Ein gutes Spiel resultiert aus dem blinden Verständnis zweier Menschen, die ihre Sinne perfekt aufeinander abgestimmt haben. Und dieses besondere Handicap lässt nicht nur Franz Beckenbauer staunen.
Mit freundlicher Genehmigung der Universität der freien Künste, Berlin
Reportage von Katharina Walsch (352015)
"Es bleibt ein Spiel gegen sich selbst"
Der Caddy weist die Richtung, wohin der Ball fliegen soll. Beim Einlochen klappert der Helfer mit der FahneSIEGBURG. "Golf ist ein Spiel, bei dem man versucht, einen zu großen Ball in ein zu kleines Loch zu bringen, und das mit einer Ausrüstung, die für ein solches Vorhaben völlig ungeeignet ist." Schon Winston Churchill wusste um die Schwierigkeiten des Golfspielens. Doch als der ehemalige britische Premier zum Putter griff, konnte er den kleinen weißen Ball und das Loch, wo er hinein sollte, wenigstens sehen.
Das ist bei Gerhart Starck anders. Wenn der zum Schläger greift, ist er auf die Signale seines Caddys angewiesen. Der 61-Jährige ist aufgrund einer Krankheit fast blind. Er kann nur noch helles Licht und Schatten wahrnehmen. Und doch ist der Golf sein liebster Sport. Regelmäßig nimmt der Siegburger an internationalen Turnieren teil. "Vor zwölf Jahren brach die Krankheit aus, da spielte ich bereits Golf", sagt er. Seine Leidenschaft wollte er nicht aufgeben. "Es gibt natürlich Behindertenvereine für Golfer, aber da fühlte ich mich nicht richtig aufgehoben." Deshalb gründeten 8 Golfer, die ebenfalls nur über ein Sehvermögen von unter 10 % verfügten, am 22. September 2000 im Fürstenhof in Bad Wildungen den Deutschen Blinden Golf Club e.V., dem Starck als Präsident vorsteht und der mittlerweile über 25 Mitglieder verfügt.
"Die meisten Mitglieder spielten schon Golf, bevor sie blind wurden. Das ist in jedem Fall ein Vorteil, weil man dann eine Vorstellung von dem Spiel hat", sagt er. Doch auch Anfänger sind willkommen. Die Mitglieder, die aus der ganzen Bundesrepublik kommen, spielen auf unterschiedlichen Plätzen, auch Starck sucht sich seine Golfplätze in der Region nur nach dem Spielpartner aus. Der Unterschied für die blinden Golfer besteht schließlich vor allem darin, dass sie nicht alleine anreisen, sondern ihren Caddy mitbringen.
Für Starck ergab sich eine wunderbare Lösung: Olaf Spittmann, ein Mitarbeiter seines Unternehmens, der ihn ohnehin zu Geschäftsterminen fährt, interessierte sich für den Sport. Er ließ sich in die Regeln und Etikette des Golfspielens einweisen und erlangte die Platzreife. Das Ergebnis: Als sein persönlicher Caddy hat sich der 44-Jährige ganz auf die Fähigkeiten seines Chefs eingestellt. "Ich trage beispielsweise immer weiße Schuhe, mit denen ich vor einem Ball stehend die Richtung weisen kann", sagt Spittmann.
Vier Stunden dauert in der Regel ein Spiel, bei dem die Golfer im Schnitt etwa zwölf Kilometer laufen müssen. Für Blinde gelten bis auf wenige Ausnahmen die gleichen Bedingungen und Regeln. "Wenn ich beispielsweise im Bunkerschlag spiele, darf ich den Schläger an den Ball anlegen, sonst würde ich ihn ja nie treffen." Die Richtung weist in diesem Fall sein Caddy mit den Armen, die genau zum Loch weisen. Geht es um das Einlochen, klappert Spittmann mit der Fahne. Auch der Blindenstock kommt regelmäßig zum Einsatz, wenn es darum geht, den genauen Schlagwinkel herauszufinden. "Wie der Caddy Hilfe gibt, ob durch akustische Zeichen oder Zurufe, oder wei bei uns mit weißen Schuhen, das ist völlig frei gestellt", so Starck. Vorausgesetzt die Regeln werden nicht verletzt.
Finanziert wird der Verein vorwiegend von Sponsoren. "Wir ermöglichen von diesem Geld, Blinden Einzel- oder Gruppenunterricht zu geben, um sie an den Sport heranzuführen." Die Mitgliedschaft im Deutschen Blinden - Golf - Club bietet außerdem die Teilnahme an verschiedenen Turnieren, sei es an den eigenen Benefizveranstaltungen oder den nationalen und internationalen Meisterschaften.
Weltweit gibt es derzeit neun Blindenvereine, der deutsche ist laut Starck der kleinste und Jüngste. Dennoch: Für die Austragung der Weltmeisterschaft im Jahr 2010 hat sich sein Präsident aus Siegburg beworben. Für Starck hat sich das Golfspielen trotz seiner schleichenden Erblindung in seinem Wesen nicht verändert: "Es bleibt immer ein Spiel gegen sich selbst." Und das immer mehr.
General - Anzeiger Bonn - Lokales - Montag, 10.Oktober 2005
Blinde Golfer in Canada
Nach der British Blind Open in York, England, flog ich mit Klaus Ahrens (Heimatclub GC Hamburg – Ahrensburg c.V. und Vorsitzender des Deutschen Blinden Golfclub e.V.) nach Toronto, Canada.Auf der wunderschönen Anlage des Chippewu Creek Golf at Mount Hope in Hamilton wurde vom 14. bis 16. August erstmals ein Weltcup der blinden Golfer veranstaltet. Es traten zwei Mannschaften, fünf Amerikaner und fünf Canadier einerseits gegen eine internationale Mannschaft mit Spielern aus Süd- Afrika, Australien, Frankreich, Schottland, Irland, England und Klaus aus Deutschland an.
Es waren in jeder Mannschaft drei total blinde Spieler, alle anderen hatten eine maximale Sehfähigkeit von drei Prozent. Keiner hatte ein höheres Handycap als 28. Einige brachten ihren Pro als Coach mit.
Es war eine sehr hoch angelegte sportliche Veranstaltung, dennoch blieb die übergeordnete Prämisse ,,Lebensqualität und Lebensfreude“. Klaus Ahrens spielte den ersten Tag gegen Robert aus Canada und konnte die Partie unentschieden beenden, am zweiten Tag spielte er mit dem total blinden Franzosen im Vierer gegen den total blinden Warren aus USA und Brien aus Canada und gewann die Partie 3 auf 2. Am letzten Tag spielte Klaus gegen Davis aus Ohio und gewann die Partie 4 auf 3.
Am Schluss ging die Partie zu Gunsten der internationalen Mannschaft zu 21,5: 3,5 aus. Die amerikanische Mannschaft drängt natürlich auf Revanche und diese sportliche Veranstaltung soll in Zukunft fortgeführt und weiterentwickelt werden.
Im Anschluss flogen wir dann nach Halifax, wo in Truro, Nova Scotia, auf der Anlage des Mountain Golf and Country Club, ebenfalls eine wunderschöne, aber auch sehr schwere Anlage, die Canadian Blind Open vom 20. bis 22. August stattfanden.
Vor der letzten Runde lag Klaus nach recht guten Golf noch auf Platz 15, hatte dann aber eine Traumabschlussrunde mit einer Brutto 89 und konnte sich damit auf Platz 2 bringen.
Ich habe als Coach für Klaus enormes gelernt und erfahren, welche Leistungen blinde Golfer bringen und mit welcher Lebensfreude sie dabei sind. Es war ein Traumwetter auf Traumlagen und für mich ein Traumerlebnis.
Ursula Zimmer (GC Holm e.V.)
GOLF EINMAL ANDERS!
Mein Golferlebnis mit Marion Koch in Edinburgh:„World Invitational“& „British Blind Open” - 4-8 September 2006 in Edinburgh/ Schottland
Marion Koch und ich haben uns während den Clubmeisterschaften in GCHA 2004 kennen gelernt. Wir waren beide Caddy für unsere Söhne, Chris und Philip, die in einem „Flight“ spielten. Ich war vom ersten Moment von Marions fröhlicher Erscheinung beeindruckt, die trotz ihrer Blindheit den „Trolley“ ihres Sohnes schleppen wollte; einfach um dabei zu sein, um zu erfahren, wie ihr Sohn spielt. Ich wusste, dass sie eine ausgezeichnete Dressurreiterin war und heute noch ist. Sport war immer ihr Ding! Marion erzählte mir, dass sie auch mit Golf angefangen hatte. Trotz dem schrecklichen Unfall 2001, der ihr Leben völlig veränderte, will sie so normal wie möglich leben.
Langsam wuchs aus unserer Golfbegegnung eine Freundschaft heran. Für mich ist die Freundschaft eine Bereicherung, etwas von Marion lernen zu können und Neues mit ihr erleben zu dürfen. Somit habe ich Marion zu ihren Golftrainerstunden häufig begleitet, um zu erleben, wie sie mit André Sallman übt. Ich kann es bestätigen: Marion präsentiert Kampfgeist hoch drei!
Ein „Coach“( Begleitperson/ Trainerin) bin ich lange noch nicht, aber als Caddy habe ich schon einige Erfahrungen gemacht. In diesem Gebiet kann man sich auch immer nur verbessern. Es gibt tausend Kleinigkeiten an die man denken muss, wenn man eine 100% blinde Person über 18 Löcher begleitet. Regel Nummer eins lautet wohl: Tue alles auf die gleiche Weise! Routinen werden somit gefestigt, Zusammenarbeit und Kommunikation gefördert. Geduld sowie Ausdauer sind von Vorteil und nicht zuletzt wächst man mit seinen Aufgaben.
Die Spielrichtung wird „gefühlt“ (durch Körperdrehung mit dem Gesicht in Richtung Fahne).
Der Probeschwung wird als letzte Chance zur Korrektur gemacht.
Der Ball wird aufgeteet.
Der Schläger wird vom Caddy zum Ball geführt, angefasst am Schlägerkopf und richtig hingestellt.
Nun ist Marion dran: Der Schwung ist sportlich und beherrscht, meistens trifft sie gut. Der Ball fliegt … eine schöne Länge! Manchmal geht es daneben… So ist Golf - auch für Blinde!
Dann kurz vor der Annäherung zur Fahne, folgt die Frage:
Welcher Schläger kommt da am Besten zum Einsatz? 9,8 oder doch Pitch? Das muss ich als Coach entscheiden.
Am Green, beim Putten und Ausrichten ist der wahre Kampf angesagt. Wie soll Marion beigebracht werden, wie dell sie putten muss? Bevor Marion also puttet, muss die Strecke vom Ball zur Fahne gemeinsam Schritt für Schritt gezählt und „gefühlt“ werden. Somit erlebt Marion die Länge des Putts und die Breaks, was sehr wichtig ist, da beim Putten ohnehin jeder Millimeter zählt. Ohne eigene visuelle Wahrnehmung ist es mehr wie Roulette, also eine Glückssache! Aber über das schöne Geräusch, wenn der Ball ins Loch fällt, freuen sich Beide!?
Wir haben noch so viel zu lernen und zu üben, besonders beim Putten. Gerade deswegen wollte Marion in Schottland teilnehmen - um Erfahrung zu sammeln.
Wann hat man sonst als Blinder, die Gelegenheit, 18 Löcher zu spielen? Wer hat die Zeit (ca. 6 Stunden) und wer hat die Geduld.
Schottland ist das Paradies aller Golfer, einfach wunderschön. Die Landschaft „atmet Geschichte und Vergangenheit“! Edinburg ist auf jeden Fall einen Besuch wert, denn hier kann man Vieles: Golf spielen, kulturell sein, shoppen gehen, oder alle drei Alternativen erleben. TIPP: Im Hafen liegt auch das sehenswerte Schiff „Britannia“ der Queen Elizabeth.
In Edinburg ist es leicht sich zu orientieren - alles ist sehr übersichtlich und gut beschildert. Busverbindungen gibt es in jede Richtung und hilfsbereite Leute, die man nach dem Weg fragen kann, gibt es überall. Zudem sind die Schotten ausgezeichnete Gastgeber; das Volk ist freundlich und hilfsbereit, besonders auch Behinderten gegenüber.
Wir wohnten im Westen Edinburghs in einem kleinen Hotel namens „Ellersly Hotel“. Es war zwar nur ein Drei-Sterne-Hotel, hatte aber trotzdem eine hervorragende Küche (mindestens 5 Sterne!). Auch die komfortablen Betten machten den Aufenthalt äußerst angenehm - was will man mehr? Essen und schlafen sind schließlich primäre Bedürfnisse, nicht wahr?
Das Hotel, ein altes Herrenhaus, sah aus wie ein Miniaturschloss. Es war nicht luxuriös, aber gemütlich. Zum Flughafen brauchte man nicht mehr als 20 Minuten im Taxi (Fahrt etwa 8 Pfund) und nach „Downtown“ brauchte man auch etwa 20 Minuten - super!
Am ersten und zweiten Tag fand das „World Invitational“ statt. Wir wurden jeden Morgen vom Hotel um 8.15 mit Bus abgeholt und in den „Ratho Golf Club“ gebracht. Der Hinweg dauerte nicht länger als 30 min. Das Clubhaus war ein altes Herrenhaus, was sonst! Der Platz war ein kurzer Par 69er - alles ziemlich flach aber mit großen und ondulierten Greens, der Platz hatte auch zahlreiche Bunker. Sie machten das Spiel doch ziemlich „tricky“. Einige Fairways hingen, entweder links oder rechts. Die Natur hier war nicht spektakulär, nur schön und grün, mit einigen imposanten alten Eichen und Kiefern. Das Wetter zeigte sich von der besseren Seite: Wir erlebten drei wunderschöne, sonnige Tage mit Temperaturen von +8°C morgens früh, bis +18°C nachmittags. Am zweiten Spieltag herrschte „Schmuddelwetter“, aber die richtige Klamotten-Ausrüstung war natürlich dabei!
„World Invitational“ ist ein Golfturnier für Sehbehinderte oder 100% Blinde (B1), aufgeteilt in drei Klassen: B1, B2 und B3.
Marion Koch (B1), war die Einzige aus Deutschland. Viele waren aus Schottland, einige aus England, Irland, USA, Schweden und sogar aus Israel. Diese Golfer brauchten alle einen Coach, der mehr Aufgaben als ein Caddy übernehmen musste. In Marions Fall war ich als Coach tätig.
Am dritten Tag hatten wir alle „frei“. Auf dem Programm standen kulturelle Angebote oder einfach die Möglichkeit zum „Shopping“. Wir haben Letzteres gewählt:
Acht Stunden Einkaufsbummeln fördern die Kondition und alle Weihnachtsgeschenke sind somit schon eingekauft!
Am vierten und fünften Tag ging es dann mit den „British Blind Open“ weiter: Etwa 70 Teilnehmer waren dabei, von denen viele in beiden Turniere mitgespielt haben - genau wie Marion.
Hier werde ich nicht so viel über Ergebnisse erzählen, weil es viel mehr um das Teilnehmen als Solches, um Erfahrungen in sportlicher und menschlicher Hinsicht ging!
In Deutschland ist „Blindengolf“ ziemlich unbekannt, aber in Schottland tut man viel für Behinderte, in diesem Falle für Blinde: Man integriert sie somit auch in die Gesellschaft. Erstens ist es human und wir können davon lernen, dass auch Behinderte Rechte und Ansprüche haben! Zweitens sollten wir alle daran denken, dass ein Unfall jedem von uns passieren könnte: Plötzlich sind wir betroffen! So kann sich mit einem Schlag alles verändern.
Wir haben viele Personen getroffen, die durch einen Unfall oder eine Krankheit einen Schicksalsschlag erlitten, die aber durch Golf als Sportart, Therapie und Freizeitvergnügen zurück ins Leben gefunden haben.
Da war der Israeli, 54 Jahre alt, ein ehemaliger Soldat, der durch eine Explosion sein Sehvermögen verlor. Er ist außerdem Kriegsgefangener gewesen, wurde gefoltert, litt früher unter schweren Depressionen und immer noch unter Schmerzen in den Armen. Dieser 100% blinde Mann hat übrigens Brutto mit 104 und 96 Schlägen gewonnen!
Sein Psychiater und das Golfen haben ihm die Lebenslust zurückgegeben! Der Psychiater war ein PGA Professional, wohnhaft in Israel, aber in Bolivien geboren. Er sagt Wahres:
„Golf trainiert Körper und Geist!“
Da war der elegante Gentleman, 78 Jahre alt, seit 14 Jahren 100% blind. Er war erst zwei Wochen Rentner gewesen, als es passierte: Er wurde auf dem Platz von einem Golfball getroffen. Das rechte Auge verlor er und beide Sehnerven wurden geschädigt. Heute spielt er wegen anderer Probleme nicht mehr Golf, hat aber an den Feierlichkeiten am letzten Abend mit seinen alten Golffreunden im „Ratho Golf Club“ teilgenommen.
Wir haben einen 89 jährigen Schotten, Jim Watt kennen gelernt, der durch eine Krankheit langsam erblindete. Er ist seit 20 Jahren blind. Er spielte beide Turniere mit, ging zur Fuß vier mal 18 Löcher, war immer freundlich, gut gelaunt und ein herrlicher Gesprächspartner mit viel Witz und Humor. Er erzählte, dass er seine Kondition mit einem „Stepper“ trainiere, er macht 1500 Schritte täglich. Außerdem meinte er: „Ein Whiskey ab und zu kann nicht schaden!“ - ein SUPERMAN!
Diese Golfer haben mir gezeigt, was Mitmenschlichkeit und Kampfgeist im Leben und im Sport bedeuten. Davon kann ich, könnten wir alle, nur lernen und profitieren!
Meine „anderen“ Golferlebnisse waren schön und ich werde sie nie vergessen.
Marie Sergelius
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